180329 Kandidatenturnier

Fabiano Caruana gewinnt WM- Kandidatenturnier in Berlin
 
von  Armin Muth
 
Berlin war zwischen dem 10. und 27. März Austragungsort des Kandidatenturniers zum Weltmeisterschaftskampf, der im November dieses Jahres in London stattfinden wird. Acht durch verschiedene Qualifikationswettbewerbe ermittelte Top- Großmeister maßen sich in vierzehn kräftezehrenden und nervenaufreibenden Runden - der Sieger sollte der Herausforderer von Schachweltmeister Magnus Carlsen (Norwegen) werden.
 
Mein Sohn und ich durften die beiden letzten Runden des Kandidatenturniers als Zuschauer live erleben. Als Lokalität hatten die Veranstalter das Kühlhaus in Kreuzberg gewählt - ein nacktes Industriedenkmal mit verrosteten Metallteilen, das nicht nur von den beiden russischen Kandidaten Sergej Karjakin und Alexander Grischuk mit deutlichen Kommentaren kritisiert wurde. Man hätte in Berlin sicherlich geeignetere Veranstaltungsorte finden können.
 
Die Qualität der Schachpartien und der Kampfgeist der Teilnehmer dagegen waren eine Werbung für das Königliche Spiel. Als Favorit galt weithin der Armenier Levon Aronjan. Wir tippten vorsichtiger auf einen Dreikampf zwischen Aronjan, dem Italo-Amerikaner Fabiano Caruana und dem Aseri Schachrijar Mamedjarow, und vermieden damit einen Reinfall.
 
Denn Aronjan, zuletzt in bestechender Form, erwischte ein rabenschwarzes Turnier. Mit nur einem Sieg und sechs Niederlagen wurde er abgeschlagen mit nur 4,5 Punkten Letzter. Der junge Filipino Wesley So, der jetzt für die USA antritt und sich vor gut einem Jahr noch auf  Platz 2 der Weltrangliste hievte, war ebenfalls nicht in Bestform. Er landete mit 6 Zählern auf Rang 7.
 
Der russische Ex- Weltmeister Wladimir Kramnik, mit 42 Jahren ältester Teilnehmer, war ein belebendes Element des Turniers. Er startete mit 2,5 Punkten aus drei Partien, wobei ihm gegen Aronjan eine Glanzpartie gelang.
Auch in der vierten Runde hatte Kramnik Siegchancen gegen Fabiano Caruana, verlor die Partie jedoch in einem komplizierten Endspiel. Davon erholte sich der Russe nicht mehr und landete mit 6,5 Punkten auf Platz 5.
 
Als wir in Berlin eintrafen, konnten die anderen fünf  Spieler noch das Turnier gewinnen. Denn in der drittletzten Runde hatte der Spätstarter Sergej Karjakin seine Aufholjagd mit einem Sieg gegen Caruana abgeschlossen und gemeinsam mit dem US-Amerikaner die Spitze erobert. Zugleich hatte der Zweitplatzierte Mamedjarow eine Niederlage gegen Ding Liren kassiert. Damit
lagen Mamedjarow, Ding und Alexander Grischuk punktgleich nur einen halben Zähler hinter dem Führungsduo.
 
In der vorletzten Runde riskierte Grischuk gegen Mamedjarow alles - und wurde ausgekontert. Der Russe war damit raus aus dem Titelrennen und landete schließlich mit 6,5 Punkten auf  Platz 6. Während Karjakin genau wie Ding remisierte, spielten Caruana und Aronjan eine wilde Partie, in der Caruana tiefer rechnete und gewann.
 
Vor der Schlussrunde lag damit Caruana einen halben Punkt vor Mamedjarow und Karjakin. Der Russe konnte jedoch gegen Ding Liren nicht den nötigen Druck aufbauen und musste sogar um das Remis kämpfen. Auch Mamedjarow konnte gegen Kramnik keinen Vorteil erzielen, die Kampfpartie endete remis. Caruana hatte gegen Grischuk ein klar vorteilhaftes Endspiel erreicht, das er,
obwohl ihm ein Remis zum Turniersieg gereicht hätte, weiter auf Sieg spielte und schließlich sauber nach Hause brachte.
 
Ein großes Turnier war damit beendet. Ding Liren, der als erster Chinese das Kandidatenturnier erreicht hatte, landete als einzig ungeschlagener Spieler mit 7,5 Punkten auf  Platz 4. Karjakin wurde mit 8 Punkten Dritter, der punktgleiche Mamedjarow mit besserer Feinwertung Zweiter. Fabiano Caruana, von den Zuschauern mit großem Beifall bedacht, wurde mit 9 Zählern verdienter Turniersieger und fordert nun Weltmeister Carlsen zum Duell.
 
 

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